„Mathe ist mehr als
nur ein Schulfach.“
Banner
MINT-Schwundquote

MINT-Schwundquote in Prozent, Anteil fehlender MINT-Erstabsolventen im Vergleich zu den Studienanfängern im 1. Hochschulsemester 5 bis 7 Jahre zuvor. Quelle: IW Köln auf Basis von Statistisches Bundesamt

Die Entwicklung des Anteil der fehlenden MINT-Absolventen an den MINT-Studienanfängern in Deutschland seit dem Jahr 2005 (MINT-„Schwundquote“)

Die Abbrecher- und Wechselquote (Schwundquote) bezeichnet den Anteil der Studienanfänger, der das Studium eines bestimmten Fachs aufgrund von Studienabbruch oder Fachwechsel nicht beendet. Betrachtet man die Entwicklung der Abbrecher- und Wechselquoten in den MINT-Fächern seit dem Jahr 2002, zeigt sich seit dem Jahr 2006 eine positive Entwicklung. Während im Jahr 2006 noch 36,6 Prozent der Anfänger eines MINT-Studiums dieses nicht zu Ende gebracht haben, waren es im Jahr 2011 nur noch 18,4 Prozent. Bei dem Rückgang der Abbrecher- und Wechselquoten ist jedoch einschränkend darauf hinzuweisen, dass derzeit gleichzeitig Bachelor- und Diplomabsolventen ihr Studium beenden. Daher soll in einer etwas vorsichtigeren Annahme für die längerfristige Perspektive davon ausgegangen werden, dass bisher eine nachhaltige Verbesserung auf eine Abbrecher- und Wechselquote von 30 Prozent erreicht wurde.

Auf eine Verbesserung der Quoten in diesem Ausmaß weist auch eine Untersuchung von Heublein et al. (2012) hin. Betrachtet man die Abbrecher- und Wechselquoten im Zeitablauf, so fällt auf, dass in den Diplomstudiengängen an den Universitäten die Erfolgsquoten gestiegen sind. Die Abbrecher- und Wechselquote ist zwischen den Jahren 2006 und 2010 in den Ingenieurwissenschaften von 37 auf 30 Prozent und in Mathematik/Informatik/Naturwissenschaften von 39 auf 24 Prozent gesunken. An den Fachhochschulen sind die Quoten im gleichen Zeitraum etwa konstant geblieben. Damit ergibt sich auch auf Basis der Quoten des HIS, dass die Abbrecher- und Wechselquote rückläufig ist. Für die Bachelorstudiengänge an Universitäten ergeben sich bisher höhere Abbrecher- und Wechselquoten als bei den Diplomstudiengängen.

Ein Blick auf die Bundesländer

Auf Bundesländerebene ist die MINT-Schwundquote im Jahr 2010 gegenüber dem Vergleichsjahr 2005 in 15 der 16 Bundesländer gesunken. Die stärksten Rückgänge waren in Thüringen, Bremen und Baden-Württemberg zu beobachten. Bremen verzeichnete im Jahr 2005 die niedrigste MINT-Schwundquote aller Bundesländer und kam als einziges Bundesland in die Nähe des Zielwertes der MINT-Schwundquote von 20 Prozent, in 2010 holen die anderen Länder auf.

Unterschiedliche Schwundquoten zwischen den Bundesländern werden jedoch nicht ausschließlich durch eine unterschiedliche Effektivität des Hochschulbildungssystems verursacht, sondern können zum Teil auch auf regionale Wanderungen der Studierenden während des Studiums zurückzuführen sein. So haben im Studienjahr 2006/2007 7 Prozent der ingenieurwissenschaftlichen Studierenden innerhalb Deutschlands die Hochschule gewechselt, davon rund 14 Prozent ohne den Studiengang zu wechseln (vgl. HRK, 2008). Bei den Studierenden der mathematisch-naturwissenschaftlichen Studiengänge wechselten 11 Prozent die Hochschule, darunter mehr als ein Drittel ohne Studiengangwechsel. Es ist davon auszugehen, dass ein Teil dieser Hochschulwechsel bundesländerübergreifend stattgefunden hat.


Indikator: MINT-Schwundquote nach Bundesländern in Prozent, Anteil fehlender Erstabsolventen im Vergleich zu den Studienanfängern 5 bis 7 Jahre zuvor, nur Erstabsolventen und Studienanfänger im 1. Hochschulsemester; Quelle: IW auf Basis Statistisches Bundesamt

Internationale Einordnung

Das Ziel der Initiative "MINT Zukunft schaffen" ist eine Halbierung der MINT-Schwundquote von mehr als 40 Prozent auf rund 20 Prozent im Jahr 2015. Das bedeutet, dass lediglich höchstens 20 Prozent derer, die ein MINT-Studium beginnen, dieses entweder abbrechen oder in ein MINT-fremdes Studienfach wechseln, in dem sie dann einen Abschluss erwerben. Auf internationaler Ebene ist beim Vergleich der Abbruchquote keine Differenzierung nach Studienfächern möglich, sondern es wird lediglich eine durchschnittliche gesamte Abbrecherquote ausgewiesen. Deutschland liegt im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Fünf der 23 betrachteten OECD-Länder erzielten 2008 eine Abbrecherquote, die unterhalb der deutschen Zielgröße von 20 Prozent im Jahr 2015 lag. Niedrige Abbrecherquoten sind somit durchaus realistisch, auch wenn zu bedenken ist, dass die Betrachtung des Durchschnitts zu Verzerrungen führt. Mathematisch-naturwissenschaftliche sowie ingenieurwissenschaftliche Studiengänge weisen typischerweise deutlich höhere Abbrecher- und Wechselquoten auf als viele andere Studienfächer, was an der Durchschnittsquote nicht deutlich wird. Insgesamt belegt der internationale Vergleich der Abbrecherquoten eine große Heterogenität. Zwischen Japan, wo mit knapp 7 Prozent Abbrechern die meisten Studienanfänger die Hochschulen mit Abschluss verlassen, und dem Schlusslicht Schweden liegen mehr als 44 Prozentpunkte.


Schwundquote ‚Internationaler Vergleich’ 2008 in Prozent, Anteil fehlender Absolventen im Vergleich zu den Studienanfängern eines typischen Anfangsjahres, alle Absolventen (inkl. Erstabsolventen) und Studienanfänger; Anmerkung: Die OECD-Daten weichen von den Daten des Statistischen Bundesamtes wegen fehlender Beschränkung auf Erstabsolventen und MINT-Studienfächer leicht ab. Quelle: Eigene Berechnung auf Basis von OECD, 2010b

Fazit

Seit dem Jahr 2006 nahm die MINT-Abbrecher- und Wechselquote deutschlandweit deutlich ab. Von noch knapp 37 Prozent im Jahr 2006 ging sie um über ein Viertel auf 26,2 Prozent zurück.

Das Ziel, eine Abbrecher- und Wechselquote in MINT auf 20 Prozent zu senken, ist im Jahr 2010 bereits zu über 55 Prozent umgesetzt worden. Ein Teil dieses Effekts könnte auf die Umstellung der Studiengänge auf die Bachelor-Master-Struktur zurückgeführt werden, da deshalb zu einem bestimmten Zeitpunkt zwei Anfängerjahrgänge gleichzeitig das Studium beenden. Erst wenn die Umstellung abgeschlossen ist, wird sich zeigen, ob es sich beim Rückgang der Abbrecher- und Wechselquote um eine nachhaltige Verbesserung handelt. Es ist somit weiterhin wichtig, Maßnahmen zur Senkung dieser Quote umzusetzen.

Die angestrebte Halbierung der Schwundquote unter den MINT-Studierenden ist ohne ein aktives und gezieltes Eingreifen aller politisch Verantwortlichen nicht zu erreichen. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, durch eine verbesserte naturwissenschaftlich-technische Elementar- und Primarbildung schon in der Schule höhere Kompetenzen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu schaffen. Zudem können Brückenkurse in Fächern wie Mathematik oder Physik vor oder nach Aufnahme eines MINT-Studiengangs hilfreich sein, um die Studierenden auf ein höheres Kompetenzniveau zu bringen. Letztlich ist auch die Qualität der Betreuung der Studierenden ein äußerst relevanter Faktor für die Abbruchwahrscheinlichkeit. Durch eine Qualitätsverbesserung und die Intensivierung der Betreuungsangebote, wie etwa eine Senkung der Betreuungsrelation, ließe sich ebenso die Abbruchwahrscheinlichkeit reduzieren.

Aus diesem Grund sind folgende Maßnahmen unerlässlich:

  • Durch eine verbesserte naturwissenschaftlich-technische Elementar- und Primarbildung werden schon in der Schule höhere Kompetenzen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich geschaffen.
  • Jeder MINT-Studierende hat vor oder bei Aufnahme des Studiums die Möglichkeit, an Brückenkursen (z.B. Mathematik, Physik) teilzunehmen.
  • Die Betreuung in den MINT-Fächern sollte verbessert und intesiviert werden (Senkung von sehr ungünstigen Betreuungsrelationen in überlasteten Fächern).
MINT Initiativen finden

Wege zu den Initiativen, zu Themen und Regionen

Zielgruppen spezifische
Angebote

zum Navigator
Aktuelles

Angebote für Schulen mit MINT-Schwerpunkt

Als Schule mit MINT-Schwerpunkt haben Sie die Möglichkeit zur Teilnahme am MINT-MAX-Programm (Hier klicken), dem Partnerprogramm für MINT-freundliche Schulen. Angebote, Vergünstigungen, Workshops, Camps warten auf Sie.

Bewerben Sie sich jetzt mit Ihrer Schule! (hier klicken)